Zeitpolitik für Familien

Fachaustausch, 20. November 2025 in Berlin

Fachaustausch der Landesarbeitskreise, Delegierten der Fachgruppe Familienbildung und Fachverbände


Das Thema des Fachaustauschs 2025 war „Zeitpolitik für Familien“ mit dem Fokus auf die Verteilung von Carearbeit in der Familie. Erstmalig waren auch die Delegierten der Familienbildung dabei, so dass wir den innerverbandlichen Austausch weiter stärken und in einer größeren Runde mit erweiterten Perspektiven diskutieren konnten.

Im ersten fachlichen Input stellte Dr. Leonie Kleinschrot, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, aktuelle Daten zur Verteilung von Carearbeit in Familien vor. Wir fragten „Wer schmeißt den Laden?“ und die Antwort lautet auch im Jahr 2025 immer noch: „überwiegend die Frauen“. Obwohl die sozialen Normen zur Aufteilung von Care-Arbeit stetig immer egalitärer werden, leisten Frauen wöchentlich 9 Stunden mehr unbezahlte Arbeit, übernehmen in weit größerem Umfang als Männer Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege und den Mental Load des Alltags. Und vor allem: Für all dies reduzieren sie ihre Erwerbsarbeit und haben wenig Zeit für sich selbst. Die Hälfte aller Frauen arbeitet in Teilzeit. Der Hauptgrund: Kinderbetreuung. Und diese Frauen kehren meist auch dann nicht zu höheren Erwerbsumfängen zurück, wenn die Kinder älter werden.

Diese ungleiche Aufteilung macht Frauen unzufrieden und lässt sie an Trennung denken.

Anschließend kommentierte Stephanie Schlitt, Koordinatorin des Bündnisses „Sorgearbeit fair teilen“ die vorgestellten Daten aus Sicht des Bündnisses und stellte fest: Viele Paare würden Erwerbs- und Sorgearbeit gerne anders verteilen. Sie betonte, dass jede vierte erwerbstätige Mutter ihre Erwerbsarbeitszeit als zu knapp empfindet und jeder vierte Vater gerne weniger Zeit im Job verbringen würde. Dahinter stünden betriebliche, strukturelle und gesetzliche Hürden wie Ehegattensplitting, Minijobs oder die mangelhafte Infrastruktur im Bereich Kinderbetreuung und Pflege. Sie rechnete vor, dass sich bei einer faireren Verteilung unbezahlter Sorgearbeit die Erwerbsumfänge von Frauen und Männern angleichen würden. Dies hätte eine deutlich positive Auswirkung auf die eigenständige Existenzsicherung von Frauen und damit auch auf die Fachkräftesicherung. Eine aktuelle Expertise habe gezeigt, dass 45 Prozent der Mütter bereit wären, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, wenn die betrieblichen Bedingungen familienbewusster wären. Wichtig war der Koordinatorin des Bündnisses aber auch, dass es nicht um immer mehr Erwerbsarbeit geht. Denn unbezahlte Sorgearbeit ist die Voraussetzung für bezahlte Erwerbsarbeit. Und Menschen mit Kindern möchten auch Zeit für ihre Familie haben und sich gut kümmern. 

Da konnten wir uns als eaf in der nachfolgenden Diskussion gut anschließen und haben auf unsere Idee für eine „Dynamische Familienarbeitszeit“ hingewiesen. Diese werden wir in den kommenden Monaten weiterentwickeln und konkretisieren. Auch weitere Vorstellungen des „Bündnisses Sorgearbeit fair teilen“ spiegeln in weiten Teilen Forderungen der eaf, wie beispielsweise eine zehntägige Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile nach der Geburt, eine partnerschaftlichere Ausgestaltung des Elterngeldes und die Schaffung von guten Rahmenbedingungen für geschlechtergerechte und sorgeorientierte Arbeitszeitmodelle.

Insgesamt konnte festgehalten werden, dass Männer und Väter in erster Linie adressiert werden müssen, künftig mehr unbezahlte Sorgearbeit von den Schultern der Frauen und Mütter zu übernehmen. Und dass die Qualität und Verlässlichkeit von Kinderbetreuung im Fokus bleiben muss, weil sie weiterhin eine Grundvoraussetzung für Eltern ist, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schultern.
Beim Thema Arbeitszeitsouveränität waren die Teilnehmenden sich einig, dass die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit dafür keine Lösung ist. Denn in Kombination mit steuerrechtlichen Anreizen für Überstunden wird dadurch eine Motivation für die Übernahme von noch mehr Erwerbsarbeit durch diejenigen, die besser verdienen, erzeugt. Und das sind in Paarbeziehungen häufig die Männer. Im Ergebnis bliebe den Männern und Vätern damit noch weniger Zeit für unbezahlte Sorgearbeit und Frauen und Mütter würden nur noch stärker in die Sorgeverantwortung genommen.

Unsere Exkursion führte uns dieses Jahr zu einem Informationsgespräch ins Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Neben einer anregenden Besichtigung der „Ahnengalerie“ aller ehemaligen Familienminister:innen hatten wir Gelegenheit, uns mit einem Fachreferenten der Grundsatzabteilung zu anstehenden familienpolitischen Themen auszutauschen.